Die Vampertinger

in 2011

Das große Gruseln: Meisterschaft der Maskenbildner

Das Theatrum-Mundi-Theater brachte „Die Vampertinger“ auf die Bühne im Luna-Kino — Begeisterter Beifall - 04.04. 09:00 Uhr

SCHWABACH  - Zwei glückliche Liebesgeschichten und eine unglückliche. Entführung und Befreiung. Migration, Integration und die Bewahrung der Heimat. Das alles in oberbayrischer Mundart, garniert mit viel Musik und Gesang sowie phänomenalen Kostümen. Es ist einiges geboten gewesen beim „bayerischen Grusical“ des Schwabacher Theatrum-Mundi-Ensembles auf der Bühne des ausverkauften Luna-Theaters.

Die Premiere des Singspiels „Die Vampertinger“ der Schauspieltruppe um Regisseur Karlheinz Odörfer hat das Publikum begeistert. Nicht nur nach dem letzten Auftritt lang anhaltender Applaus: Szenen, Lieder und Pointen sind häufig mit spontanem Beifall belohnt worden.

Die Vampertinger, das sind die fünf Kinder aus der Verbindung eines bayerischen Fabelwesens mit einer Schreckensgestalt von internationalem Rang. Graf Krolock (Aldo Falkenberg) hat vor langer Zeit seine und Draculas Heimat Transsylvanien verlassen, um nach Bayern auszuwandern. Auf dem Schafreiter, einem Berg im Oberland, hat er sich in die Wolpertingerin (Maria Schmitz) verliebt. Die Kinder der beiden haben nun je ein charakteristisches Merkmal übernommen: Von der Mama haben die vier Jungs und ihre Schwester Zenzi (Viviane Heinl) die äußere Erscheinung geerbt. Der Papa hat ihnen die Liebe zum „Blutzuzeln“ mitgegeben. Allein: Auf dem Schafreiter herrscht der schreckliche Berggeist Bluthardt (Karlheinz Odörfer). Touristen sind eher selten. Wenig Gelegenheit zum Beißen also. Doch eines Tages führt Axel (Daniel Reiß) vom Reisebüro im Tal zwei norddeutsche Sommerfrischlerinnen auf die Höhe.

Die pubertierenden Vampertinger Kare (David Wechsler), Lucke (Klaus Plutz), Gole (Christoph Plutz) und Fonse (Anni Fink) können nicht widerstehen, lassen die Eindringlinge erstarren und wollen sie genüsslich auszuzuzeln. Doch Mama Wolpi fürchtet die beiden Polizisten (Armin Gügel und Werner Adler), die schon nach den Vermissten suchen. Mit Hilfe des Zauberspruchs einer Bergnachbarin namens Durlhex (Petra Kraus) werden die Hobbybergsteiger wieder zum Leben erweckt.

Jetzt beginnt die Verwirrung erst richtig. Franzi und Axel, Gitarrist der Band „Wolpertinger Dreams“, werden ein Liebespaar. Einer der Polizisten lässt sich auf ein Schäferstündchen mit der Durlhex ein. Und schließlich wird Nesthäkchen Fonse von den beiden Ordnungshütern ins Heimatmuseum verschleppt. Dort soll er in der Wolpertinger-Abteilung neben seinen Vettern und Basen ausgestopft als Sensation neues Publikum anlocken.

Das wollen Mama Wolpi und Graf Krolock unter keinen Umständen zulassen. Der Vampir wird mit Mantel, Mütze und Vogelbeersaft auf den Wangen gesellschaftsfähig gemacht. Kurz vor Toresschluss schleicht er sich ins Museum, um seinen Sohn zu befreien, was auch gelingt. Doch die Museumsleiterin (Doris Blank) stellt ihn. Krolock bleibt nichts anderes übrig, als sie zu beißen.Der blonde Engel wird daraufhin zum Vampir und folgt Krolock, der ihren Liebesschwur allerdings ignoriert.

Axel darf auf dem Berg bei Zenzi bleiben. Bluthardt adelt unterdessen den Migranten Krolock, weil er neben seinem Sprössling auch noch die Wolpertinger aus dem Heimatmuseum befreit hat: „Jetzt gehörst schon zu uns“, raunzt der Bergherrscher.

Und weil Durlhex, Sennerin (Andrea Fink), Bluthardt und die gesamte Vampertinger-Sippschaft den Berg als Heimat sehen, die nicht zum Schauobjekt für Urlauber aus der norddeutschen Tiefebene verkommen soll, singen alle Bergbewohner das Schlusslied in Richtung organierten Massentourismus gemeinsam. „Schleicht’s Euch.“ Selten hat Oberbayerisch in Franken so viel Begeisterung ausgelöst.

(Schwabacher Tagblatt)