Der gestiefelte Kater

in 2012

Märchenzeit im Schwabacher Bürgerhaus: Das Theatrum-Mundi-Ensemble zeigt den Märchenklassiker für Jung und Alt „Der gestiefelte Kater“.

Das Singspiel von Susanne Berger und Beatrice Pasquet mit David Wechsler als Kater „Pedrillo“, Tobias Mayer als Müllerssohn und Viviane Heinl als Prinzessin in den Hauptrollen bietet frisches Musicalflair und beste Familienunterhaltung. Ruth Bäz am Klavier und Karlheinz Odörfer mit Percussion fassen die munteren Melodien in eine kongeniale musikalische Begleitung.

Pedrillo ist nach Ansicht seines Herrn Hans ein stinkfauler, altkluger und selbstgerechter Kater. Wie sich im Laufe der eng an das Original der Gebrüder Grimm angelehnten Handlung herausstellt, sind dem Müllerssohn bei der Charakterisierung seines Haustiers aber wesentliche Umstände entgangen. Denn Pedrillo ist ein ebenso gerissener wie loyaler Diener seines Herrn.

Schließlich ist es den zugegeben etwas abseits der Wahrheit liegenden, dennoch perfekten Plänen Pedrillos zu verdanken, dass Hans die angebetete Prinzessin Rosamunde heiraten und zum guten Ende auch noch das Schloss des Zauberers „Kandelabra“ in Besitz nehmen darf.

Der Inszenierung würden etwas mehr Ordnung und Rhythmus an einigen Stellen zwar gut tun. Doch diese Schwächen gleichen die darstellerischen und gesanglichen Leistungen des Ensembles mehr als aus. Insbesondere das Liebesduett von Hans und Rosamunde ist auch für Erwachsene ein Erlebnis. Bühnenbild, Kostüme und Requisiten sind farbig und originell.

König Klaus Plutz versteht es, aristokratische Überheblichkeit mit der Geste des gütigen Landesvaters zu verbinden. Daniel Reiß in Schottenrock und -kappe gibt den Butler James mit hinreißendem britischem Slang. Auch Aldo Falkenberg gelingt als Zauberer Kandelabra ein unvergesslicher Auftritt. In grün-geheimnisvollem Licht sind es nicht nur Alien-Helm und Totenkopfstab, welche die finale Geisterstunde einläuten. Falkenberg scheint der geborene Hexer. Pedrillo David Wechsler schleicht auf pfiffigen Pfoten durch die gesamte Handlung. Seine darstellerische Präsenz ist beachtlich. Seine Katzengleichheit ebenfalls. Mehrmals nützt er die Balken des Bürgerhauses, um sich kletternd einen besseren Überblick zu verschaffen.

Außerdem werden die dicht gedrängt unmittelbar vor der Spielszenerie sitzenden Kinder immer wieder in die Handlung miteinbezogen. Auf eine trennende Bühne hat „Theatrum Mundi“ nämlich verzichtet. Auch ohne rosarote Brille: ein Riesenspaß für alle Kids.

Letzte Vorstellungen im Bürgerhaus: 21. Januar um 16 und 19 Uhr. 22. Januar um 16 Uhr. Vorverkauf in der Schwabacher Buchhandlung „Lesezeichen“. 

Robert Schmitt / Schwabacher Tagblatt