Der eingebildete Kranke

in 2012

Schwabach: Hof des Bürgerhauses | Es bereitet immer wieder Vergnügen, Komödien von Moliere zu sehen. Besonders dann, wenn diese noch vom "eingebildeten Kranken“ handelt und als Steigerung auch noch in einer Freilicht-Aufführung vom Theatrum-Mundi-Ensemble präsentiert wird, bei der das Partnerschaftskomitee LesSables D´Olonne für das leibliche Wohl sorgte.

So gesehen wünschte man bei allen Aufführungen herrliche Sommerabende, damit Charme und Witz dieser Moliéres-Komödie um Mediziner, Krankheit, Heilungsmethoden und Angst vor dem Tod im Hof des Bürgerhauses voll vom Ensemble ausgespielt werden konnten. Dennoch waren die Vorstellungen, die wegen des Wetters ins Innere des Bürgerhauses verlagert wurden, keineswegs schlechter. Hier spielte sich das Geschehen in einer kompakten, sorgsam ausgestatteten Bühnenkulisse ab und die Wege waren für das Ensemble lediglich kürzer. Bei den Freilichtaufführungen im Hof des Bürgerhauses nutzten die Protagonisten unter der Regie von Karlheinz Odörfer, der dazu noch absolut glaubwürdig die Hauptrolle des kranken Argan verkörperte, den Raum des Hofs vom Bürgerhaus als Bühne, um sich dazu noch geschickt unters Publikum zu mischen. Hier wie da erlebte man, wie sich der von seinen Leiden geplagte Argan auf Abhilfe der hohen Kosten besann, die seine medizinischen Behandlungen abverlangten.

Um zu sparen, wollte er seine ältere Tochter (Jessica Höllisch, die sich sowohl geradlinige, wohlerzogen, aber schwer verliebt bestens präsentierte) mit einem vermögendem Medizinersohn (Alexander Humpenöder mit viel Spielfreude agierend) verheiraten. Dieser zeigte sich jedoch bei seinem ersten Besuch mit seinem Vater (Aldo Falkenberg) äußerst kindisch, unreif und warf mit vielen medizinischen Worthülsen herum, so dass Argons Tochter sich ganz entschieden gegen diese Vermählung wehrte. Gelungen war hier der Gegensatz herausgestellt worden, in der Aldo Falkenberg die Arroganz eines Mediziners mit einer friedhofsähnlichen Ruhe und einer impertinenten Souveränität vermittelte im Wortgefecht mit dem stark verunsicherten Argan. Damit das Töchterlein aber dennoch seinen Herzallerliebsten bekommen sollte, danach trachtete das bodenständige, schlagfertige und direkte Dienstmädchen Toinette. Diese Rolle war genau richtig für Viviane Heinl. Mit Geschick und viel Temperament schaffte sie es, sich zwischen den unterschiedlichen Interessen ihrer Herrschaft hindurch zu lavieren und die eigenen zum Wohl der Tochter durchzusetzen. Mit Hilfe von Argons Bruder Bérald (abgefahren alternativ gespielt von Daniel Reiß) schlüpft sie in die männliche Rolle eines Mediziners, der mit absonderlichen Diagnosen dazu beitrug, dass Argon von seinem Krankheitswahn ein Stück weit kuriert wurde. Dazu deckte sie die „wahre“ Liebe von Argons zweiter Frau auf, als dieser sich dafür tot stellte.

Claudia Rabus bewies hier treffliche Wandlungsfähigkeit: von der übertrieben fürsorglichen Ehefrau, die nur gelegentlich die eigentliche Gier aufblitzen ließ, zur eiskalt berechnenden vermeintlichen Erbin. Schließlich veränderte sich Argan, der sich sowieso bei allen Krankheiten am besten auskannte, als er eine Art Todeserfahrung machte. Zwar war der Tod bislang schon sein steter Begleiter, verwandelte sich dann – sicher nicht zufällig –e in die Person des Hausarztes „Dr. Purgon“. Witzig, wortgewandt und ausdrucksstark schlüpfte hier David Wechsler in diese Doppelrolle, die wie für ihn geschneidert erschien. Am Ende gab Argan nach. Nachdem er auch die ehrliche Liebe seiner Tochter erkannte, gönnte er ihr die Ehe mit Cleante (in vornehmer, distinguierter Zurückhaltung umgesetzt von Tobias Mayer). Dafür wurde Argan im Beisein seines Bruders, seiner Familie, mit Toinette, die alle Fäden inne hatte, des Notars (von Rudi Stieglmaier mit der gebotenen Würde dargestellt), des Apothekers Fleurant (energisch von Anni Fink verkörpert) sehr zur Freude seiner jüngsten, schlagfertigen Tochter Lousin (Franziska Pfülb) feierlich in die Reihe der Mediziner aufgenommen. Alles in allem erlebte das begeisterte Publikum eine kurzweilige, schwungvolle und mit liebevoller Ausstattung geschmückte Inszenierung des Theatrum-Mundi-Ensembles, an der man seine Freude haben konnte.

Mein Mitteilungsblatt 20.07.12 Ursula Kaiser-Biburger