Jedermann - Mein Mitteilungsblatt

in 2013

Herrliche Freiluftaufführung "Jedermann"

Schwabach: Bürgerhaus | Eine herrlich erfrischende Inszenierung der Bühnenversion von Bernd Klaus Jerofkes vom bekannten Mysterienspiel von Hugo von Hofmannsthal präsentiert derzeit das Theatrum-Mundi-Ensemble im Hof des Bürgerhauses.

Wie bei den Salzburger Festspielen wurde auch die Freiluft-Aufführung im Hof des Bürgerhauses mit einer gespielten Fanfare eröffnet. Einfallsreich, wie man Karlheinz Odörfer als Regisseur kennt, modernisierte er geschickt mit Musik und szenischen Ideen den Literatur-Klassiker um die Vergänglichkeit von irdischen Tagwerken.

So ließ sich Karlheinz Odörfer als Jedermann in einer Art beweglichen goldenen Badewanne in die Kulisse fahren, ließ Gott den Herrn durch keinen Geringeren als Klaus Stiegler sprechen und verwandelte den Hof in einen Ort des Wohlstandes, von Festfreuden und Ausgelassenheit, bei dem die Gäste auf den Tischen tanzten.

Als gelungen durfte man die schauspielerische Gesamtleistung des Ensembles ansehen, die Text sicher und natürlich agierte sowie mit ihren Kostümen und Masken für eine besondere Wirkung dieser sehr kurzweilig gestalteten Inszenierung sorgte.

So wie sich der Anfang dieses Theaterstückes gestaltete, konnte das Publikum den Eindruck gewinnen hier einer Komödie beizuwohnen. Doch Gott, der Herr beschloss, Jedermann durch den Tod holen zu lassen. Jedermann sollte seine Pilgerschaft antreten und Rechenschaft ablegen.

Unbemerkt von alledem sorgte sich Jedermann nach wie vor um seine Geldgeschäfte, allein seine Mutter (hervorragend gespielt von Doris Stiegler) mahnte ihn auf Gottgefälligkeit und Frömmigkeit zu achten. Inmitten einer ausgelassenen Gesellschaft, in der sich Jedermann nicht nur mit seiner Buhlschaft (mit berechnendem Liebreiz von Claudia Rabus gespielt) amüsiert.

In diese Atmosphäre hinein bewegte sich denn Gevatter Tod, brillant in bestechender kalter Gefühllosigkeit und entsprechender Spracharmut von Aldo Falkenberg dargestellt, um Jedermann zu holen. Dieser erbettelte sich aber noch eine kleine Gnadenfrist, um nicht allein seine Pilgerschaft anzutreten. Doch keiner aus seiner Umgebung war geneigt, mit ihm zu gehen. Weder seine Verwandtschaft (Viviane Heinl und Sven Fuhrmann) war daran interessiert, auf Dauer diesen irdischen Ort zu verlassen.

Das galt auch für Jedermanns Geselle, dessen wandlungsschneller Opportunismus von Hans Werner Stenger äußerst überzeugend trotz raffinierter Texthilfen verkörpert wurde. Selbst Mammon war nicht geneigt, alles Irdische zu verlassen. Kunstvoll und markant verkleidet, verkörperte Marion Kehrbach diese Rolle, die darüber hinaus noch mit ihrem verführerischen Marilyn Monroe-Song wie Mammon besonders reizvoll wirkte).

Schließlich versuchte es auch der immer und überall herumstreunende Teufel, der von David Wechsler mit teuflischer Wahnwitzigkeit genial gespielt wurde. Von ihm hätte man gerne noch mehr hören wollen. Übrig blieben letztlich nur Jedermanns Werke (Jessica Höllisch, Karl-Heinz Mayerhofer, Daniel Reiß und Germaine Cilean Stiles), nachdem der Glaube in dieser Inszenierung nicht vorgesehen war. Aus ihren bunten Abfallbehältern herausschauend, sagten nur sie Jedermann ihr Geleit zu. Genau dies war der Moment, bei dem zu den musikalischen Klängen zu „Knockin on Heavens Door“ Jedermann vom Tod geholt wurde.

Unbestritten in dieser Parade-Rolle erwies sich Karlheinz Odörfer als sehr wandlungsfähiger und leidenschaftlicher Protagonist. Zweifelsohne liegen hier wie auch in den ideenreichen Inszenierungen seine Stärken. Umso mehr muss man den Wermutstropfen am Ende dieser unterhaltsamen und gelungenen konzipierten Aufführung bedauern, die aus dem strengen Klassiker einen leichten Unterhaltungsabend mit Grundaussage machte.

Der zusätzlich eingebaute Gesangsbeitrags des himmlischen Jedermanns, dessen Stimmlage hierfür so wenig geeignet war, bedeutete im Grunde keine Bereicherung, um dieses Stück prägnant und knackig wie die anderen Szenen zum Schlussakkord des eingespielten himmlischen Hallelujas zu führen.

Dennoch war der große Schluss-Beifall für die Protagonisten, die Licht-und Tontechnik sowie für den künstlerischen Leiter Karlheinz Odörfer mehr als gerechtfertigt.

Die nächsten Aufführungen finden am Dienstag, 16.Juli, Donnerstag, 18. Juli, Freitag 19.Juli bis Sonntag, 21. Juli jeweils um 20 Uhr statt.