Prinzessin Turandot - Schwabacher Tagblatt

in 2015

„Theatrum Mundi“ wagt sich erfolgreich an „Turandot“

Schwabacher Ensemble führt ein Musical-Märchen auf - 13.01.2015 08:40 Uhr

SCHWABACH - Das Schwabacher Ensemble „Theatrum Mundi“ (TME) hat mit dem Musical „Turandot“ die Geschichte der chinesischen Prinzessin auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung von Karlheinz Odörfer bot perfektes Märchen-Theater. Beste Unterhaltung für die ganze Familie.

„Turandot“ wird insbesondere Opernfreunden ein Begriff sein. Der italienische Komponist Giacomo Puccini hat für das Singspiel auf ein Theaterstück seines Landsmanns Carlo Gozzi zurückgegriffen. Gozzi hatte aus dem Stoff einer persischen Erzählung, die über „1000 und eine Nacht“ ins Abendland gekommen war, 1762 ein tragikomisches Märchen in fünf Akten gemacht.

Märchen mit dem TME

Nun hat das Schwabacher Ensemble „Theatrum Mundi“ die Geschichte der chinesischen Prinzessin in einer Musical-Neufassung von Michael Assies im Bürgerhaus auf die Bühne gebracht, inszeniert von Karlheinz Odörfer. Das Märchen-Theater bot beste Unterhaltung für die ganze Familie.

Grausames lustvoll gebändigt: TME zeigt „Turandot“

Das Theatrum-Mundi-Ensemble (TME) entführte in seinem Musical-Märchen ins historische China und brachte eine spannende und abwechlungsreiche Geschichte auf die Bühne.

Turandot, die Tochter des greisen Kaisers Altum, hat ein grausames Hobby. Prinzen, die sie heiraten wollen, müssen drei Rätsel lösen. Schaffen sie das nicht, haben sie den Weg aufs Schafott anzutreten. Zahlreiche Königssöhne verloren auf diese Weise bereits ihren Kopf. „Meine Tochter hat kein Herz“, stellt selbst Altum fest. Kalaf aber, der unerkannt in Peking umherstreifende Prinz von Astrachan, hat keine Probleme mit den äußerst kniffligen Fragen der Kaisertochter. Anker, Fernrohr und Mond. Nach jeweils nur kurzem Nachsinnen präsentiert er die Lösungen.

Stolz und Eitelkeit

Turandot ist entsetzt. Obwohl sie durchaus Gefallen an ihm findet, versperren ihr Stolz und verletzte Eitelkeit den Weg in eine Ehe mit dem Prinzen. Kalaf lenkt ein. Er stellt Turandot nun seinerseits ein zweiteiliges Rätsel. Löse sie es, könne sie mit ihm machen, was sie wolle, löse sie es aber nicht, müsse sie ihn heiraten.

Das Rätsel besteht aus der Frage, welcher Abstammung er sei. Zusätzlich ist herauszufinden, was beiden gemeinsam ist, der Prinzessin aber dennoch fehlt. Als es Turandot trotz Todesdrohungen und Truppeneinsatz nicht gelingt, den zweiten Teil des Rätsels zu lösen, will sie Kalaf doch umbringen. Am Ende ist es einem klugen Trick zu verdanken, dass die Liebe doch noch eine Chance erhält.

Stimmungsvolles Gesamtkonzept

Die Inszenierung lebt von den sorgfältig choreographierten, darstellerisch gelungenen und auch musikalisch überzeugenden Szenen, in denen nahezu sämtliche Darsteller wie ein Chor auftreten. Detailgetreue Kostüme, fernöstliche Musik und eine ergreifende Melodie als Schlussakkord prägen die Emotionen und entführen in das historische China.

Johannes Müller als Kalaf und Franziska Pfülb als Turandot interpretieren ihre Rollen fernöstlich nach dem Land-des-Lächelns-Motto: „Wie's drinnen aussieht, geht niemanden etwas an.“ Gerade deshalb ist ihr Spiel glaubwürdig und fesselnd.

Altum alias Klaus Plutz schlurft mit Rollator im Asia-Design auf die Bühne. Das von ihm mitgetragene Gesetz, nach dem seine Tochter geworben werden kann, macht ihn zur tragischen Figur. Am Ende aber wird er zum Standesbeamten und fühlt sich erkennbar wohl.

Spannung und Abwechslung

Insgesamt wird die ursprünglich durchgängig grausame Handlung spielerisch lustvoll gebändigt und kunstvoll musikalisch eingebunden. Lustige Figuren sorgen für Spannung und Abwechslung. Haremswächter Truffaldino in eidottergelbem Gockeloutfit ist dabei der perfekte Sidekick. Christian Pfeifer mit Eunuchenstimme und l-statt-r-Sprachattitüde überzieht zwar an manchen Stellen, ist aber dennoch ein darstellerisches Highlight.

Ähnlich wirken Ping, Pong und Pang. Die drei sind Berater des Kaisers. Gleichwohl entfalten sie ein mächtiges Spannungsfeld. Während Ping und Pong Souveräne des höfischen Ränkespiels sind, wirkt Pang wie ein Hanswurst, entwickelt aber emotionalen Tiefgang, der meist mehr einbringt als der rationelle Draufblick seiner beiden Partner. Jonathan Pfeiffer, David Wechsler und Julian Stollar spielen, tanzen und singen vorzüglich.