Spektakel mit dem TME: „Watzmann“ war drei Mal ausverkauft

in 2015

Begeistertes Publikum - Lieder von eigener Studioband - 26.04.2015 16:18 Uhr

 

SCHAFTNACH - „Der Watzmann ruft“: Und alle kommen zur Vorstellung des Schwabacher "Theatrum Mundi Ensembles" (TME). Vergangene Woche war der Saal der Schaftnacher Gaststätte Döllinger drei Mal ausverkauft. Die Gäste wurden nicht enttäuscht.

Angekündigt war immerhin die „Rocky-Horror-Show des Alpenlands“. Exakt das hat TME auch geliefert: Eine exzentrische Tanz- und Musikshow mit irren Geschichten und fabelhaften Darstellern zwischen Bauernstube und Alpenglühen.

Ambros-Klassiker

Die Musik kam dabei zwar vom Band. Doch eingespielt hat TME die legendären Melodien des Künstler-Trios Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und Manfred O. Tauchen mit einer eigenen Studioband. Ruth Bäz am E-Piano, Bassist Moritz Kraus, David Wechsler mit der E-Gitarre und Kalle Odörfer am Schlagzeug ist nach dem original Notenmanuskript eine Interpretation gelungen, die einerseits dem bekannten Original erstaunlich nahe kommt, ohne andererseits auf eigene Spontaneität und neue Facetten zu verzichten. Kalle Odörfer setzt mit dem Akkordeon live das i-Tüpfelchen.

Das Schwabacher Teatrum-Mundi-Ensemble (TME) brachte das legendäre Stück als Tanz- und Musikshow auf die Bühne.

Der Watzmann ist der Schicksalsberg seiner Region. Er lockt unaufhörlich. „Wenn die Zeit kummt, nachad holt er di, der verfluchte Watzmann“, heißt es. Dennoch ist die Sehnsucht groß. „Aufi, aufi, i muass aufi“, fleht der Bua. Tobias Mayer gibt ihm auf unnachahmliche Art ein drängend-naives Wesen. Doch der Bauer will seinen Sohn nicht ziehen lassen.

Alpenpanorama, Bergtierwelt und katholische Frauen prägen das Umfeld, in dem der Bua wohl eher den Weg in ein selbstbewusstes Leben als auf den Berg finden muss.

„Der Weg zu Dir selbst hört nie auf, hinter dir geht’s abwärts und vorne führt er steil bergauf“, singt der Chor geradezu anrührend und beschreibt hellsichtig die Bedrohtheit der menschlichen Existenz. Der Watzmann als Allegorie.

Doch die echte Bedrohung ist die Gailtalerin: Der transalpine Alpentransvestit mit Conchita-Wurst-Bart, BDM-Zöpfen und mächtig Holz vor der Hütt’n wird vorzüglich gespielt von Christian Ostermeier.

Das blonde Gift taucht wie aus dem Nichts auf und verdreht allen den Kopf. Schließlich kennt sie sich als Rustikaldomina mit Sadomasostudio im Fränkischen Seenland aus mit den Vorlieben des starken Geschlechts.

„Du muast auffi“

Den Bua verführt sie mit wenigen gekonnten Griffen zwischen die Beine. Doch hingeben will sie sich ihm erst nach einer Art Mutprobe. „Du muast aufi, dann kannst alles haben“, verspricht sie und lüpft den Rock.

Da hilft keine Warnung mehr. Nachts verlässt der Bua das Elternhaus, um den Berg zu bezwingen. Es kommt, wie es kommen muss. „Mit aller Gewalt haut’s mein Buam nei in den Spalt“, klagt der Bauer.

Die Höhepunkte des Abends sind die Gesangs- und Tanzeinlagen rund um den Auftritt der Gailtalerin. Dank kreativer Kostümierung, origineller Choreographie und aufwändiger Chorinszenierung sorgen sie für allerbeste Unterhaltung und regen das Publikum mehrfach zu Szenenapplaus an, der verdientermaßen auch für Johannes Müller als erzählender Almhirte aufbrandet. Er ist sowohl darstellerisch als auch gesanglich eine echte Entdeckung für das Theatrum Mundi Ensemble.

Zu guter Letzt wird die Moral der Geschichte noch in einem Lied zusammengefasst. Der Bua hat sich zwar verführen lassen und dafür mit dem Leben bezahlt. Dennoch ist die Botschaft positiv: „Das Schönste im Leben war die Sünd“, verkündet das Ensemble, „und selbst wenn uns der Teufel persönlich schindet: Gott sei Dank gibt es ein Leben vor dem Tod“. Soll wohl heißen: Wenn er nicht gestorben wär’, würd’ er heut noch sündigen. 

ROBERT SCHMITT