Luther Musical begeistert 1000 Besucher

in 2016

SCHWABACH - Martin Luther war ein Freund der Künste. Der bildenden offenbar ebenso wie der darstellenden. Er sah sogar Parallelen zwischen Bibel und Theater. „Dort ist zuweilen ebenso von Liebeshändeln die Rede wie in manchem Schauspiel“, soll er gesagt haben.

„Martin L. – Das Luther-Musical“ hätte ihm daher gewiss gefallen. Das Libretto hält sich allerdings nicht völlig an die historische Überlieferung. Denn im Singspiel verliebt Luther sich als junger Student unglücklich, was ihn schließlich weg vom Jura-Studium geradewegs ins Kloster treibt. Das ist ein durchaus verwegener Ansatz: Die Liebe als Himmelsmacht der anderen Art.

Mit rund 1000 Zuschauern bestens besucht waren die drei Aufführungen des Musicals, das Karlheinz Odörfer mit Theatrum Mundi, dem Chor der Kantorei und einer eigens zusammengestellten Live-Band auf der Freilichtbühne des Martin-Luther-Platzes inszeniert hatte. Bei der Premiere am Freitagabend mussten vor die 300-Zuschauer-Tribüne noch zwei Reihen Sonderplätze gestellt werden, um die Karten-Nachfrage befriedigen zu können.

Für das Publikum hat es sich allemal gelohnt. Trotz kleiner technischer Schwierigkeiten und einiger gesanglicher Schwächen ist es Theatrum Mundi gelungen, eine schöne Abendunterhaltung in den Schatten der Stadtkirche zu zaubern, die das Publikum mit durchaus deutlichem Applaus würdigte. Die Mischung aus Geschichts-Dokudrama und Musical-Fiktion war gut angekommen.

Musiker mit feiner Leistung

Den größten Anteil daran hatten einige der Darsteller und die Musik. Ruth Bäz führte das siebenköpfige Musiker-Ensemble entschieden und gut abgestimmt zu einer ganz feinen Leistung. Insbesondere Akkordeon, Percussion und die E-Gitarre unterstrichen die Stimmung meisterlich.

Darstellerisch ragten Malte Buhr als Luther, Johannes Müller als Papst Leo und David Wechsler als Ablasshändler Tetzel hervor. Sein Einzug in die Stadtkirche war zwar etwas zu exaltiert, aber insgesamt doch passend zwischen Raffgier, Fegefeuer und Gottesfurcht angelegt.

Malte Buhr hatte ein enormes Pensum an Text und Liedern zu bewältigen. Dabei war der Spagat zwischen liebeskrankem Jurakandidaten und mönchischem Kirchenkritiker viel verlangt. Andererseits machte er aus Luther auch kein Abziehbild. Er verlieh dem Reformator durchaus Charakter. Man konnte nicht nur seine Beweggründe ahnen. Man fühlte mit ihm, wenn er Tetzel entgegentritt und ihm vor dem Kaiser in Worms der Prozess gemacht wird. Johannes Müller wiederum ließ aus dem Papst teilweise eine Witzfigur werden, traf damit aber den Nerv ganz genau.

Die Szenen vor und in der Stadtkirche lebten von der authentischen Umgebung. In der Kirche wird es zwar für jenes Publikum, das etwas abseits sitzt, schwer, der Handlung zu folgen. Dennoch schaffen Musik, Spiel und Rahmen eine dichte Atmosphäre, die Wirkung hinterlässt.

Erster und dritter Akt spielen im Freien und sind ganz unterschiedlich geprägt. Während zu Beginn noch Tageslicht herrscht und die Stimmung eines historischen Marktplatzes entsteht, entfaltet am Ende die Dunkelheit ihre Wirkung und prägt das Geschehen. Luther und Gefolge ziehen nach Worms. Die Feuerkünstler der Kurfürstlichen Schlosswache zu Amberg tauchen die Szenerie ohne Effekthascherei ins richtige Licht. So drängen sich Fragen fast zwangsläufig auf, die auch die Geschichte lange prägten: Die Reformation. Teuflischer Spuk oder göttliche Erleuchtung? Höllenfeuer oder Himmelsmacht? Fruchtbares Schisma oder fruchtbare Zeitenwende? Auf Antworten darauf gilt es, noch bis 2017 zu warten, dem Jubiläumsjahr der Reformation.

Regen zwingt zu Improvisation

Anders als am traumhaft sommerlichen Freitag, musste das Theatrum Mundi am Samstagabend wegen des heftigen Regens improvisieren. Der zweite Akt in der Stadtkirche wurde vorgezogen, der erste folgte als dessen Vorgeschichte. „Was uns besonders freut“, so Theaterleiter Karl-Heinz Odörfer, „trotz des schlechten Wetters blieben die Zuschauerränge voll besetzt.“ 

ROBERT SCHMITT